DIN 1045-1:2008 Ein großes Missverständnis Folge 2
Dezember 07, 2008 in: Sonntags-Kolumne Autor: J. Lorch
DIN 1045-1:2008 Abschnitt 10.8:
Dieser Abschnitt beschäftigt sich mit dem Nachweis gegen Ermüdung, dem wir in der Vergangenheit eine gesonderte Tech-News gewidmet haben. Die Nachweismethoden haben sich nicht geändert, für den Betonstahl haben sich die Werte der Tabelle 16 teilweise geändert. Wenn man dies beachtet, kann man die Rechenbeispiele der Tech-News weiterhin verwenden.
Dieser Abschnitt ist in der kommentierten Kurzfassung nicht enthalten, in der 18.Auflage Schneider Bautabellen ist der Ermüdung (vereinfachter Nachweis) ein Kapitel gewidmet.
Es ist schon bezeichnend, dass die Mutter aller Nachweise DEd ≤ 1 nicht kommentiert wird, man müsste sonst zugeben, dass dieser Nachweis ohne Kenntnisse der Lastkollektive nicht möglich ist und für den Gegengewichtsstapler liegen keine anwendbaren Erkenntnisse vor. Im Brückenbau gibt es dafür umfangreiche DIN-Fachberichte. Ich kann keinen tieferen Sinn in dieser Formel DEd ≤ 1 erkennen, obwohl die Formel schlicht und einfach ist. Vielleicht plagt mich aber schon der Altersstarrsinn oder frei nach dem babylonischen König Hamurabi, der schon im Jahre 1750 v. Chr. gejammert hat, er verstehe die Welt nicht mehr, und der kannte unser Normenwerk noch nicht.
DIN 1045-1:2008 Ein großes Missverständnis Folge 1
November 30, 2008 in: Sonntags-Kolumne Autor: J. Lorch
Der Normenausschuss kreißte und gebar ein Muster ohne Wert. Eine Überarbeitung dieser Norm wurde angekündigt und man wollte die ungeheure Anzahl von Auslegungen und Berichtigungen einarbeiten und Klarstellungen für den in der Praxis tätigen Bauingenieur geben. Es sollte der untragbare Zustand, dass Auslegungen Normencharakter haben, abgeschafft werden. Dieses Ziel wurde weit verfehlt. Die Norm wurde durch zusätzliche Forderungen weiter aufgebläht. Die Investition in die neue Ausgabe der DIN 1045-1:2008 in Höhe von 249,34 € ist nicht sinnvoll, die kommentierte Kurzfassung ist in der Regel ausreichend. Das Preis/Leistungsverhältnis muss als mangelhaft bezeichnet werden. Zu Beginn des Jahres 2009 kommen verschiedene Produkte auf den Markt, die die Norm vollständig enthalten und wesentlich preiswerter sind.
Die neue DIN 1045-1:2008 ist für uns Bauingenieure keine Erleichterung. Die Auswirkungen auf die Praxis werden m.E. gering sein. Man wird sich notwendigerweise wieder ein neues Update für die Software kaufen, man hat ja sonst nichts anderes zu tun. Die anderen neuen Bestimmungen und Forderungen werden sicherlich keinen Eingang in die Praxis finden, weil die neue europäische Norm unmittelbar vor der Tür steht. Man fühlt sich allmählich schon als Normenjunkie.
Es werden nicht alle marginalen Änderungen kommentiert, sondern nur die Änderungen, die aus meiner Sicht eventuell Auswirkungen auf die tägliche Arbeit haben werden. Die Änderungen werden kursiv geschrieben und unterstrichen zur besseren Übersicht.
Die Änderungen Kriechauswirkungen bei Verfahren nach Theorie II Ordnung nach Abschnitt 8.6.3 (10) und 8.6.5 (10) werden nicht behandelt. Es wird auf die einschlägige Fachliteratur verwiesen bzw. die betreffenden Programme müssen der neuen Situation angepasst werden. Sprechen Sie Ihr EDV-Softwarehaus an. weiterlesen »
Durchbiegung die Dritte
Februar 23, 2008 in: Sonntags-Kolumne Autor: J. Lorch
Die mit den Fehlern verbundenen Hinweise von mir sind eigentlich nie Gegenstand einer gutachterlichen Feststellung, aber zum Verständnis der komplexen Materie nützlich. Die Durchbiegungen der Deckenbalken wurden gemäß der in der Sonntagskolumne vom Januar angegeben Formel (1) ermittelt. Folgende Punkte, die Einfluss auf die Durchbiegungen haben, werden bewertet. weiterlesen »
Durchbiegung die Zweite
Januar 27, 2008 in: Sonntags-Kolumne Autor: J. Lorch
Nachdem die erste Durchbiegungsberechnung verarbeitet wurde, können wir uns an die Bewältigung der Probleme, die bei der täglichen Arbeit mit der DIN 1052:2004 auftauchen, heranwagen.
In der letzten Sonntagskolumne habe ich die Behauptung aufgestellt, dass die Berechnung der Durchbiegungen im Holzbau für die charakteristische seltene und für die quasi-ständige Bemessungssituation praxisfremd sei. Dies ist bei den Protagonisten der DIN 1052:2004 nicht gut angekommen. Ich möchte deshalb etwas tiefer in diese Problematik einsteigen und die vielen Variablen, die für die Berechnung erforderlich sind, aus der Sicht der Praxis bewerten. Sie können sich dann selbst ein Urteil bilden und Ihre Kommentare zu der Behauptung von mir auf dieser Seite ins Internet stellen.
Die formale Anforderung der DIN 1052:2004 für die charakteristische seltene Bemessungssituation für einen Einfeldträger mit Gleichlast und zwei veränderliche Einwirkungen lautet:
(1) wfin,(G+Q) - wG,inst = wG,inst * (1 + kdef ) + wQ,1, inst * (1 + ψ2,1 * kdef ) + wQ,2, inst * (ψ0,2 + ψ2,2 * kdef ) ≤ L/200
(2) wG,inst = 5 * MG,k* l² /48* E0,mean* I
(3) wQ,i,inst = 5 * MQ,i, k* l² /48* E0,mean* I
Wie zahlreich sind doch die Dinge, derer ich nicht bedarf (Sokrates)
Welchen Unwägbarkeiten der Verformungsbeiwert kdef und die Holzfeuchte in der Praxis unterliegt, soll nachfolgend dargestellt werden.
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Durchbiegung die Erste
November 18, 2007 in: Sonntags-Kolumne Autor: J. Lorch
Der Nachweis der Durchbiegung nach DIN 1052:1988 wurde in der Sonntagskolumne vom 30.09.07 erbracht. Eine einzige Zeile war dazu erforderlich. Dies hat sich grundsätzlich geändert. Wenn man den Abschnitt 9.2 Grenzwerte der Verformung durchliest, hat man den Eindruck, dass die ganze Angelegenheit recht überschaubar ist. Dies ist ein Trugschluss.
Man unterscheidet jetzt zwei Bemessungssituationen, die charakteristische seltene und die quasi-ständige Bemessungssituation. Erstere soll Schäden an Trennwänden, Installationen, Bekleidungen oder dergleichen vermeiden. Die quasi-ständige Situation soll die Benutzbarkeit und das Erscheinungsbild gewährleisten.
Sie haben also bei der Berechnung drei Grenzwerte der Verformungen zu beachten. Diese Werte werden nach den Gleichungen (40), (41) und (42) der DIN 1052:2004 ermittelt. Der Aufwand für eine Handrechnung ist ernorm, ohne EDV-Programme sind diese Nachweise ein Ko-Kriterium für den Holzbau. Der Stahlträger feiert im Holzbau seine Auferstehung.
Ich möchte niemanden erschrecken, aber der Gebrauchstauglichkeitsnachweis eines Gratsparrens bei einem Walmdach unter Beachtung der Verteilung der Aussendruckbeiwerte für Walmdächer nach der DIN 1055-4: 2005 ist ab jetzt ein Highlight für jeden Tragwerksplaner. Der Gratsparren wurde in 5 verschiedene Lastabschnitte hinsichtlich der Windbelastung aufgeteilt. Wann haben Sie zum letzten Mal die Simpsonsche Regel für die Integration angewandt. Die Normengeber geben uns eine faire Chance, die Hochschulkenntnisse aufzupolieren. Das Bizarre und Unbegreifliche ist schon vorhanden.
Solamen miseris socios habuisse malorum (Es ist ein Trost für die Unglücklichen, Leidensgefährten zu haben)
Spinozas Ethik 4,57
Bei Deckenbalken muss man gemäß Abschnitt 9.3 einen weiteren Wert berechnen. Dieser Abschnitt wird noch viele gerichtliche Verfahren nach sich ziehen. Die Beschränkung auf 6 mm beim vereinfachten Nachweis kann häufig nicht eingehalten werden. Der Tragwerksplaner hat nun die Möglichkeit, einen genauen Nachweis zu erbringen. Das Verfahren kann man der Fachliteratur entnehmen oder den Erläuterungen zur DIN 1052:2004. Es wird dem Tragwerksplaner dringend empfohlen im Vorfeld mit dem Architekten eine schriftliche Abstimmung hinsichtlich den Schwingungsbegrenzungen vorzunehmen. In diesem Zusammenhang ist auch hinsichtlich der Honorierung, Schwingungsberechnungen sind keine Grundleistung nach HOAI und den einschlägigen Kommentaren, eine Klärung erforderlich.
